Didaktisches Audio-Design: Musik als instruktionales Gestaltungsmittel in hypermedial basierten Lehr-Lern-Prozessen

 

Natürliche Geräusche, Soundeffekte und Musik im engeren Sinne lassen sich technisch inzwi­schen ohne größere Probleme in hypermediale Lern- und Informationsangebote integrieren. Aber wozu? Die vorliegende Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass Musik in Hypermedia nicht notwendigerweise redundant oder sogar störend sein muss, sondern Mehrwerte bietet, die es theoretisch auszuarbeiten und empirisch zu überprüfen gilt. Als theoretische Grundlage wird dazu ein kompakter und verständlicher Überblick über relevante Ergebnisse aus der Hypertextforschung, der Lehr-Lern-Forschung sowie der musikpsychologischen Forschung gegeben; berücksichtigt werden dabei Arbeiten zu auditory icons, earcons und auditory displays, zur Akustik virtueller Räume, kommerzieller Hintergrundmusik, Musik am Arbeitsplatz, Musiktherapie sowie zu Formen und Funktionen von Musik in Film und Fernsehen. Die zentralen Funktionen, die der Musik in den genannten Kontexten zukommen, werden in einem deskriptive Rahmenmodell zusammengefasst, das im Hinblick auf Lehr-Lern-Prozesse fünf potentiell verarbeitungsunterstützende Funktionen von Musik unterscheidet: 1. Aufmerksamkeitssteuerung, 2. Motivierung, 3. Aktivierung von Vorwissen, 4. Darstellung und Strukturierung von Inhalten sowie 5. Rückmeldung mithilfe von Musik. Für eine integrative Realisierung der genannten Funktionen bieten sich Leitmotive an. Im Mittelpunkt einer ersten empirischen Untersuchung stand die Strukturierungsfunktion von Leitmotiven. 60 Psychologiestudierende rezipierten einen umfangreichen Hypertext zur Thematik "kulturübergreifende Prinzipien von Meditationsübungen" entweder ohne Musik, mit einfachen Motiven (konsistent verwendete, jedoch inhaltsunspezifisch komponierte Tonfolgen) oder aber mit Leitmotiven (konsistent verwendete und inhaltsspezifisch komponierte Tonfolgen). Die (Leit‑)Motive erklangen jeweils beim Aufruf der Textmodule. Unter Kontrolle von themenbezogenem Vorwissen und Interesse, Gedächtnis für Tonfolgen sowie Ausprägung eines analytischen Hörstils zeigte sich eine hypothesenkonforme, statistisch bedeutsame Überlegenheit der Leitmotive hinsichtlich der verarbeitungsleitenden Erwartungen beim Aufruf der Textmodule sowie in einer Erinnerungsaufgabe unter akustischen Originalbedingungen, nicht jedoch in einer freien Erinnerungsaufgabe ohne Musik. Damit ergeben sich insgesamt zahlreiche Anregungen für ein lernunterstützendes Sounddesign sowie eine facettenreiche Evaluation.